Gedenktag: Erinnerung und Verantwortung für die Zukunft
In der letzten Januarwoche fand an der Drei-Maare-Realschule plus Daun der Gedenktag für die Opfer des Holocaust anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 81 Jahren statt.
„Wir tragen keine Schuld an der Vergangenheit, aber wir tragen Verantwortung für die Zukunft“, so Rektor Thomas Follmann in seinen Grußworten an die teilnehmenden neunten und zehnten Klassen.
Die Zehntklässlerinnen Jolaine Pielusch und Alicia Diewald stellten das Schicksal von Anne Frank vor, während Henri Steudter und Robenz Hajhannan sich mit den Widerstandskämpfern der Weißen Rose auseinandergesetzt hatten. Die Kurzgeschichte „Kinder sind immer Erben“ von Max von der Grün wurde von den Neuntklässlerinnen Hanna Geimer und Fabienne Schorn vorgelesen. Vorab war Geschichtslehrer Lukas Winkler auf die Shoah, den Massenmord an den Juden eingegangen.
Dass nicht nur das Erinnern am 27. Januar im Vordergrund steht, sondern auch das Verstehen, wie Antisemitismus funktioniert, um zu verhindern, dass er wieder normal wird, machten die beiden Gäste Deborah Frank und Lennard Schmidt von der Universität Trier deutlich. Beide arbeiten im wissenschaftlichen Institut für Antisemitismusforschung. Nach Einblicken in das Judentum und die jüdische Geschichte machten die Kommunikationswissenschaftlerin und der Historiker vor allem klar, wie Judenfeindlichkeit funktionierte und immer noch funktioniert. Dafür analysierten sie beispielweise zusammen mit den Jugendlichen die Absurdität eines Plakats aus dem Dritten Reich zum „Ewigen Juden,“ einer Metapher des Hasses.
„Erst zwingt man sie in eine Ecke, dann beschimpft man sie für das Ergebnis, das ist typisch für den Antisemitismus“, so Lennard Schmidt. Deborah Frank sprach „die kleinen Dinge im Alltag an, aber sie machen etwas kaputt.“ Beispielsweise Witze über den Holocaust, die sie in ihrer Schulzeit auch erlebt hat. „Man ist nicht mehr frei in der Identität und zieht sich zurück.“
Lennard Schmidt betonte, dass die eigentliche Arbeit erst nach dem Gedenktag beginnt. Denn aktuell sehen sich jüdische Mitbürger in Deutschland wieder verstärkt Anfeindungen und Angriffen ausgesetzt. Die Frage angesichts des erstarkenden Antisemitismus müsse lauten: „Was kann ich heute im Alltag dagegen tun?“